
(Autor Peter de Hueber)
In unserer Selbsthilfegruppe Alleinseinsangst.at strebe ich an, Teil einer Gruppe von „Vertrauten“ zu werden. Ich selbst wäre erst einmal mit einer engen Freundschaft mit einer Handvoll Personen bereits durchaus zufrieden.
Derzeit aber haben wir als Gruppe noch nicht einmal den Status „Freunde“ erreicht. Ich starte hier die Diskussion, wie sich diese Begriffe überhaupt definieren.
1. Unbekannte
Unbekannte sind Personen, zu denen keinerlei persönliche Verbindung besteht. Es gibt keinen Austausch oder Kontakt, und in der Regel bleiben solche Begegnungen anonym und folgenlos.
2. Bekannte
Bekannte sind Menschen, die man wiedererkennt und die einen ebenfalls erkennen. Der Kontakt bleibt meist oberflächlich und zufällig, beispielsweise durch Begegnungen in der Nachbarschaft, auf der Arbeit oder bei gesellschaftlichen Veranstaltungen. Viele Menschen kennen im Laufe ihres Lebens mehrere Hundert Personen auf dieser Ebene.
3. lose Freunde
Diese Form der Bekanntschaft entsteht durch gemeinsame Aktivitäten oder institutionelle Zugehörigkeiten, etwa im Berufsleben, in Vereinen oder in der Nachbarschaft. Obwohl regelmäßiger Kontakt besteht, entwickelt sich keine tiefere emotionale Bindung. Forschungen zeigen, dass der durchschnittliche Mensch etwa 150 solcher stabilen, aber nicht intimen Bekanntschaften pflegt.
4. Freunde
Freunde sind Menschen, mit denen man in unregelmäßigen Abständen Zeit verbringt, gemeinsame Interessen verfolgt und einen freundschaftlichen Austausch pflegt. Die Beziehung ist von gegenseitiger Sympathie geprägt, jedoch nicht von existenzieller Bedeutung. In der Regel umfasst dieser Kreis etwa 20 Personen.
5. Enge Freunde
Enge Freunde sind Personen, die eine tiefere emotionale Bedeutung im Leben haben. Sie stehen auch in schwierigen Situationen zur Seite – beispielsweise, wenn man nach einem Unfall im Krankenhaus liegt. Diese Freundschaften sind durch regelmäßigen und stabilen Austausch geprägt, und ihr Verlust kann tiefe Trauer auslösen. Die Anzahl enger Freunde liegt oft zwischen 5 und 10 Personen.
6. Vertraute
Vertraute sind Menschen, mit denen eine noch tiefere und langfristige Bindung besteht. Sie sind die ersten Ansprechpartner in Krisensituationen, da sie nicht nur persönliche Informationen kennen, sondern auch aktiv Unterstützung bieten. Die Zahl der Vertrauten ist stark begrenzt und liegt meist bei maximal 5 Personen.
7. Enge Vertraute
Enge Vertraute sind Personen, die in jeder Lebenslage optimal helfen können, da sie über alle relevanten Informationen verfügen. Sie bieten emotionale Unterstützung auf höchster Ebene und sind oft die ersten, an die man sich in schwerwiegenden Krisen wendet. In der Regel gibt es nicht mehr als 2 bis 3 solcher Personen.
8. Bezugsperson
Bezugspersonen stehen an der Spitze der sozialen Nähe. Sie zeichnen sich durch maximale emotionale Bindung, absolute Verlässlichkeit und bedingungslosen Beistand aus. Sie stellen ihre eigenen Bedürfnisse zurück, um in jeder Situation Unterstützung zu leisten. Besonders Kinder suchen bei Bedrohung oder Unsicherheit instinktiv Schutz bei einer Bezugsperson. Gesunde Erwachsene nennen meist nur eine einzige Bezugsperson, in der Kindheit können es bisweilen mehr sein.
Anhang Literatur
Bogardus‘ Skala der sozialen Distanz (angepasst auf Beziehungen)
- Unbekannte (Keine persönliche Verbindung)
- Bekannte (Flüchtige Kontakte, oberflächlicher Austausch)
- Kollegen oder Nachbarn (Regelmäßiger Kontakt, aber ohne tiefere Bindung)
- Gelegenheitsfreunde (Freundlicher, aber nicht regelmäßiger persönlicher Austausch)
- Freunde (Vertrauter, stabiler sozialer Austausch, emotionale Nähe möglich)
- Gute Freunde / Enge Vertraute (Tieferes Vertrauen, emotionale Unterstützung)
- Lebenspartner oder Familienmitglieder (Maximale soziale und emotionale Nähe)
Diese Skala beschreibt, wie Menschen ihre sozialen Kreise wahrnehmen und in welchen Stufen Nähe oder Distanz empfunden wird.
Beziehungsstufen nach Dunbar (Dunbar’s Circles, 1993)
- Robin Dunbar postulierte, dass Menschen unterschiedliche soziale Kreise haben:
- Unbekannte / Fremde
- Bekannte (ca. 150 Personen, lose Kontakte)
- Freunde (ca. 50 Personen, regelmäßiger Kontakt)
- Gute Freunde (ca. 15 Personen, enge Verbindung)
- Vertraute (ca. 5 Personen, tiefste emotionale Bindung)
Bindungstheorie (Bowlby, Ainsworth)
- Differenziert zwischen:
- Fremden (keine Bindung)
- Bekannten (oberflächlicher Austausch)
- Freunden (emotionale Nähe, aber keine existenzielle Bedeutung)
- Sicheren Bezugspersonen (Schutz, emotionale Unterstützung, langfristige Verlässlichkeit)
Soziale Nähe und Intimität (Levinger, 1983)
- Beziehungsphasenmodell, oft für romantische Beziehungen genutzt:
- Unbekannte
- Bekannte
- Freunde
- Gute Freunde / Vertraute
- Bezugspersonen (z. B. Lebenspartner, enge Familie, Therapeuten)
Die Soziale Distanz-Skala von Emory S. Bogardus (1925) wurde ursprünglich entwickelt, um Vorurteile und soziale Akzeptanz zwischen ethnischen Gruppen zu messen. Sie kann aber auch zur allgemeinen Klassifizierung von Beziehungsstufen verwendet werden.
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